Sonntag, 22. Februar 2015

Der Kaiserweg zum Menschen ist die Musik


Einen Gastbeitrag von Heike Fleischer! Heute gibt es hier etwas neues! Ich freue mich, Heike Fleischer vorstellen zu dürfen. Wir kennen uns seit mehr als einem Jahr über einen Kreativblog. Nun haben wir festgestellt, dass wir die selbe Uroma haben- Was haben wir uns gefreut und gewundert, auf welchen witzigen Wegen man Verwandtschaft treffen kann! Nun hat sie das Wort über ein Thema, dass zu allen Zeiten große Wirkung hat: Die Musik!


Heike Fleischer:


Musik begleitet uns unser ganzes Leben. Musik ist quasi allgegenwärtig in Form von Musik, die man praktischerweise im Taschenformat im Handy dabei hat. Oder in Autoradios, Fahrstühlen, Gedudel im Kaufhaus, Straßenmusik, Gesumme (ohne dass wir es selbst bemerken) bei der Arbeit, beim Warten auf den Bus oder unter der Dusche, beim Fernsehen, im Stadion, und….und….und.
Musik hat einen direkten Draht zum Erinnerungs- und auch Gefühlszentrum. Ein bestimmter Song erinnert mich z.B. an eine Autofahrt in meinem ersten Auto – es war Hochsommer und mir ging es richtig gut. Ich werde also heute noch beim Hören dieses Liedes in die damalige Situation katapultiert, und ich beginne zu lächeln und fühle mich sauwohl.
Leider funktioniert das auch genauso mit „schlechter“ Musik. Gerade bei der älteren Generation kann da schon mal eine plötzliche Erinnerung an den Krieg und ähnlich schlimme Dinge wachgerufen werden, ohne dass es für die Mitmenschen nachvollziehbar ist. 



Musik achtsam auswählen: Genau aus diesem Grund ist zum Beispiel das unkontrollierte Berieseln mit „doch so schöner Musik aus deiner früheren Zeit“ im Umgang mit an Demenz erkrankten alten Menschen mit Vorsicht zu genießen. Was tue ich damit diesen oft Hilflosen an, wenn ich sie von einer Gefühlsdusche in die nächste katapultiere, und sie dann alles andere als tiefenentspannt reagieren. Und sie daraufhin womöglich noch als aggressiv eingestuft werden.
Gute individuelle Wahl der Musik: Doch das Wunderbare ist, ich kann genau auf diesem Weg Musik ganz gezielt einsetzen – ich kann glückliche Momente bescheren, wenn ich die jeweils „gute“ Musik kenne. 




Des Weiteren ist Musik auch sehr gut für den Körper. Musik animiert zu Bewegung. Bei bestimmten Liedern kann ich meine Füße nicht still halten. Oder beginne den Takt mit den Fingern oder Händen nach zu trommeln. Oder gar zu klatschen. Wenn ich dann auch noch anfange zu singen, habe ich eine hervorragende Atemübung. Ich atme tiefer, die Lunge wird gut belüftet. Durch die Bewegung wird das Atmen auch intensiver. Ich achte ganz aktiv auf die Musik, d.h. meine Sinne sind aktiv. Ich befinde mich im Hier und Jetzt. 
Wenn ich Lieder auswendig singe, wird mein Erinnerungsvermögen (Gehirntätigkeit) gefordert. Bei Weihnachtsliedern wird mir ganz festlich zumute. Mein Zeitgefühl wird unterstützt. So kann ich z.B. demenziell erkrankten Menschen helfen, zeitliche Orientierung zu finden. Außerdem können diese Verwirrten und Desorientierten oft mehr Strophen alter Volkslieder auswendig als wir Jungen – das ist ein so seltenes und tolles Erfolgserlebnis für diese Menschen. Und ich kann ihnen dies jederzeit schenken.
Musik kann ich allein genießen. Oder in der Gruppe. Ich bin kein begnadeter Sänger, aber inmitten einer großen Menschenmenge ein Lied zu singen ist etwas Wunderbares – ich werde getragen. Und hier traue ich mich auch, laut und frei zu singen.

Musik für jedermann/frau/kind/oma/opa/tante/onkel!  Auch wenn es nicht gleich offensichtlich ist, haben wir doch alle irgendwie einen Zugang zur Musik, auch hat die Musik einen Zugang zu uns...manchmal berührt sie uns. Lassen wir uns also berühren, und geben dieses Geschenk weiter.
Liebe Grüße von: Heike Fleischer

Montag, 9. Februar 2015

Helfen ohne Gewinn- macht das Sinn? Ja!



Der Helfer will ja helfen und nicht dem anderen etwas aufdrücken- genau das passiert aber sehr oft!

Helfen ohne Gewinn? Wie kann man überhaupt helfen und nicht gleichzeitig doch einen Gewinn haben??  Also noch mal: der, der hilft hat einen Gewinn, Was???  ...das ist aber eine ungewöhnliche Aussage! ? Und der, dem geholfen wird, ist irgendwie in einer benachteiligten Position und kommt durch das Helfen in einen Zugzwang, es wieder gut machen zu wollen. Ist das so!? Ja!



Die Werbung hat das schon längst raus und bringt den anvisierten Käufer gerne mit kreativen kleinen Geschenken in Zugzwang. Das fängt beim Kuli an und hört beim %Angebot für Stammkunden auf. Man nennt das ja auch Kundenbindung.



Ist es umgedreht? Der erste Satz hier im Artikel ist schon gleich etwas anderes als gewohnt. Da denkt man gleich, wie soll denn das gehen....Ist es nicht so, dass der, der hilft etwas gibt und dann immer weniger hat. Und der, der Hilfe bekommt immer automatisch der Gewinner ist?

Nein überhaupt nicht!







Der, der hilft bringt den Nehmenden immer in Zugzwang, denn er muss irgendwie "Danke" sagen. 

Der Helfer ist immer etwas größer, also in einer Handlungsposition. Der, der bittet ist etwas kleiner- weil er bedürftig ist.

Wenn ich selber Hilfe bekomme, zB nimmt die Nachbarin ein superschweres Paket für mich an, und ich muss abends dann nicht noch mit dem Auto zur Post... ist das noch relativ einfach- Beim nächsten mal gebe ich ihr die drei fehlenden Eier und wir sind uns wieder quitt.



Bezogen auf Helferberufe oder... die ganz gewöhnliche Familie: Wenn mir jemand etwas gibt, und es kann kein Ausgleich stattfinden, ruht mein Gewissen nicht eher, bis ich eine Lösung habe. Ansonsten ist danach so ein komisches Gefühl, dass noch etwas offen ist.




Unverschämtheiten - gibts natürlich auch: Mir ist klar, dass es genug Leute gibt, die nehmen ohne Ende und haben kein schlechtes Gewissen. Jeder macht das mal. Wie sich vermuten lässt, wird hier irgend wann eine Folge eintreten, das man sich wundert, warum das Paradies plötzlich aufhört...das ist ein anderes Thema...



Wie ist das aber in Helferberufen?


Warum bluten, die Helfer quasi aus und gehen auf dem Zahnfleisch- Wie kann es zum Burnout kommen, wenn die Helfer doch so eine offensichtlich gute Position haben. Da lässt sich vermuten, dass noch etwas fehlt! Genau: der Ausgleich!


Wenn ein Helfer auf Dauer gibt und das nehmende Gegenüber nicht "danke" sagt, kommt es zur Schieflage. Wo ist nun hier der Raum für eigenes Handeln- gibt es den, mitten im Stress: da kann ich nur sagen: ausprobieren:







1. Blickkontakt

Dem Helfer fehlt oft der Blickkontakt zu dem hin, der genommen hat. 


Der Nehmende bekommt oft vom Helfenden keine Chance für ein „Danke“: Schwestern und Pfleger im Krankenhaus sind
oft so in Eile, da bleiben diese kostbaren Sekunden auf der Strecke: Klar gibt es Patienten, die gerne ein „Danke“ sagen würden. Sie sehen aber nur noch das Pflegepersonal von hinten. Es fehlt einfach ein Raum für ein DANKE!



2. Beziehung  

Manchem ist eine Beziehung zum Patienten zu nah. Jemanden richtig in die Augen schauen... nicht jeder kann es- und auch nicht jeder Patient möchte das- Egal wie man es dreht, helfen geht nur in der Beziehung- wie will ich sonst herausbekommen, was der andere braucht?

Helfen hat untrennbar etwas mit Beziehung zu tun!

Wenn der, der hilft vor lauter Eile "den Vormittag rettend unterwegs" ist: Patienten mit Medikamenten, Essen, waschen versorgen, Diagnostik einleiten, in den OP Fahren, Notfälle uvm. Da ist kaum Raum für Beziehung! Eher das Gegenteil: Oft hört man: "Gerade kann ich ihnen nicht helfen ich habe keine Zeit- jetzt ist erst mal Visite..." Dieses Vakuum aus "Jetzt ist gerade keine Zeit für Beziehung", leitet manchmal die Schieflage ein.



3. Ich muss mir die Zeit nehmen überhaupt herauszubekommen, was der andere braucht. Gebe ich, weil ich meine zu wissen, was er braucht: brumme ich dem anderen die Hilfe auf- was sofort die Schieflage füttert.



4. Was braucht der andere überhaupt: Bevor ich helfe: "FRAGEN": ....was der andere braucht. Oder sagen: "Ist es okay, wenn ich ihr Bett zum Essen etwas hochstelle.  Das ist superschwer, wenn man als Routinierte Fachkraft alles schon weiß...und dann immer wieder fragen soll. Aber hier setzt die Beziehungsaufbau an!!! Genau hier im gewöhnlichen. Das schafft Vertrauen.
Unsere Abläufe in der Helferberufen können wie im Schlaf. Trotzdem ist ein plötzliches Bettenverstellen ganz schön überraschend- das einzig sichere, was der Patient im Krankenhaus nämlich hat ist sein Bett, dass ihn trägt. Denn von allen Seiten kommt immer jemand, rupft die Decke weg...und alles immer so schnell..



5. Hilfe zurückhalten. Ich denke das ist die schwerste Übung. Wenn ich immer gleich die Situation überblicke und sinnvoll handle: das ist eine unglaubliche Begabung. Kollegen schätzen das ungemein. Doch das kann auf Dauer einen Nachteil mit sich bringen: Wer immer auf Zack ist, verdrängt andere, die "es auch" lernen wollen. 

  • Wenn ich also eine Sache gut kann, diese auch mal abgeben können
  • warum sich nicht jemand andres schnappen und 
  • anlernen
  • Warum sich nicht umgucken
  • wer das auch gut machen könnte



6. Langsamer werden. Wenn ich schnell bin -werden andere automatisch langsamer...Warum brauche ich andauernd das Gefühl, ich habs heute sehr gut gemacht. Gut- reicht auch-



To Do! Chancen nutzen! Es ist nicht jeden Tag Stress: Wenn ein Tag mal nicht nur aus Dauerstress besteht, einfach mal einen der 6 Punkte auswählen und üben. In etwas Neues hineinwachsen kostet etwas Übung- das ist der eigene Einsatz für sich selber- Beziehungen nähren den Ausgleich, wenn man will und kann.




Liebe Grüße Systnurse