Montag, 13. Januar 2014

Ich weiß wo mein Platz ist- manchmal-

Wo ist eigentlich mein Platz? Das ist eine gute Frage. In diesem Artikel geht es darum herauszubekommen, wie wichtig ist es, zu wissen wo mein Platz ist. Vielleicht ist es sogar essentiell wichtig.

  • Einen Platz in der Familie...Verwandtschaft... 
  • Einen Platz im Beruf- im Team
  • Einen Platz im Verein
  • Einen Platz in der Kirche
  • Einen Platz in der Nachbarschaft
  • Einen Platz...


Wer keinen Platz hat, ist ohne "eigenes Land" in dem er sich entfalten könnte. Ein Volk ohne Land muss immer in Verteidigungsstellung sein...

Ein Mensch ohne Platz hat ein ähnliches Problem. Gewöhnlich hat jeder erst mal einen Platz innerhalb der Familie. Hier kann man satt werden, hier ist man willkommen, hier bekommt jeder was er braucht: Essen, Wärme und Liebe. Das wäre der Idealfall.

Das ist nicht immer so. Dann kann es trotzdem gelingen, anderen einen Platz zu geben, auch wenn man nicht die "volle Dosis" bekommen hat... Vielleicht können "die" es sogar ganz gut! Sie wissen wie es sich anfühlt keinen Platz zu haben.










Drei Beispiele aus der Praxis:

1. Ein guter Platz in einer Gruppe: 

Vor kurzen beim Arbeiten auf Station im Krankenhaus weckten, meine Kollegin und ich morgens, einen Patienten. Der Patient hat in seinem Leben eine Menge Alkohol getrunken mit allen Folgen für die Gesundheit die einem so einfallen-  Er kann zwischendurch einigermaßen klar denken, aber hin und wieder ist er wie umgewandelt und sehr aggressiv- trotz Bauchgurt und Fixierung an den Händen- wegen der parenteralen Ernährung...die er sonst nicht toleriert.
So auch an diesem Morgen, er war körperlich und verbal aggressiv. Er brauchte jedoch dringend unsere Hilfe und wehrte sich aber gegen die Hilfe- Das ist irgendwie verdreht: jemand braucht Hilfe und beschimpft die Helfenden. Wir schafften es dann doch und der Patient lag wieder sauber im Bett.

Genau diesen Patienten fragte ich später, während der Pflege eine interessante Frage: "Was ist für sie eine der schönsten Sachen, an die Sie sich in ihrem Leben erinnern." Der Patient bekam ganz große fragende Augen. Ich sagte nur: Sagen Sie halt grad, was Ihnen zu erst einfällt!" und sein Gehirn begann intensiv zu arbeiten-Er antwortete dann rasch: "Feste feiern" Nun antwortet ich- "Meinen Sie das vielleicht so: Man kommt auf ein Fest und jemand sagt: "Ach setz di nieder. Kim her, auf di ham wir g`wartet" Als er meine Worte hörte fühlt er sich sichtlich verstanden und jetzt strahlte er übers ganze Gesicht.

2.
 Einen Platz im Zug
 brauchen.
Jeder kennt das, man sucht im Zug oder der S Bahn einen Platz. Genauso ging es mir mal im Zug. Ich war gerade eingestiegen und öffnete die Tür zu einem 6er Abteil. Drinnen saß ein Pärchen, das gerade die letzten Nadelstiche zu ihrem Karnevalkostüm für Venedig nähte. Ich war noch nicht richtig im Abteil, da sagten Sie tatsächlich: "Komm rein, auf Dich haben wir gewartet!" Und hinterher war es so warm und wertschätzend im Abteil, dass ich es heute noch weiß.

3. Gerne einen guten Platz in einer Gruppe haben wollen

Oder noch ein Beispiel, das mir sofort einfällt. Ich war auf einem Volkstanzseminar in Fulda (!) und abends sangen wir ein paar Lieder. Da bemerkte eine andere Teilnehmerin: „Auf so Leute wie Dich wartet schon lange unser Chorleiter in Ottobrunn im Osten von München.“ Ich wohnte ja auch in München aber im Westen, in Nymphenburg. Tatsächlich bin ich immer eine Stunde gefahren und bin dem Chor beigetreten. Noch heute nach 25 Jahren habe ich Kontakte zu einigen Sängern. Die Zeit im Chor hat mich und mein Leben sehr geprägt: sieben Jahre privates Gesangsstudium, Soloauftritte, ich wurde auch Chorleiter, und gebe Gesangsunterricht. Diese Geschichte ist richtig gut ausgegangen. Das ist nicht immer so. Manchmal habe ich einen Platz und bin alleine.





Tipp zum Nachdenken:
Ein einziger Satz kann so viel bewirken... Da kann man mal nachdenken:
  • Wo habe ich schon von anderen einen Platz bekommen?
  • Wo habe ich anderen einen Platz gegeben?
  • Wie weh tut es, wenn dieser Satz im Raum steht und keiner sagt ihn?
  • Warum sagt manchmal keiner diesen Satz? 
  • Nicht immer nur warten, dass andere mir einen Platz geben- 
  • den Augenblick nicht verpassen, wenn ich dran bin anderen einen Platz zu geben
Mangelnde Gelegenheit ist wohl eher nicht die Ursache. Solche wertschätzenden Sätze sind nicht so einfach da. Bevor so ein Satz gesagt wird, braucht es etwas. Was?

Vorher hilft es von sich selbst wegzusehen, den anderen erkennen, wer er ist. Erfassen, was ihn speziell ausmacht. Das kann jeder, wenn er möchte.

Wenn einer, der schon von anderen einen guten Platz bekommen hat, genau das weiter gibt, ist das ein guter Ausgleich- Das fühlt sich warm an, wie ein Segen.

Systnurse