Donnerstag, 20. Juni 2013

Süchte sind wie Platzhalter

Süchte sind wie verkrampfte Platzhalter
... die Leben erhalten und letztendlich dann zerstören. Doch zuvor erhalten sie das Leben, das ohne Sucht wohl nicht auszuhalten wäre. Zuschauer die das mit ansehen oder innerhalb einer Familie hautnah miterleben sind in einer Zwickmühle- und hilflos- Wäre Hilfe da, gäbe es keine Sucht. Hilflos sind alle, der Süchtige und die, die zusehen müssen, wie jemand langsam "geht"-manchmal auch mit Blick auf den Tod-früher oder später- Hilfe bei Sucht- wer kanns?


 Jeder weiß wohl irgendwie, wie sich eine Sucht anfühlt
- auch wenn man nicht abhängig ist. Eine gewisse Vorstellung  davon hat jeder...Das Gefühl bei einer schönen Sache nicht aufhören zu können ist auch angenehm- Es ist wie ein Flow, der Kräfte freisetzt und herrlich ablenkt. Ach das mache ich gleich noch mal...


Ein Ausweg aus der Sucht?
Wissen wo mein persönliches Limit ist. Hilfe von außen ausfindig machen. Schon früh, wenns noch fast "Spass macht"- eine Suchtberatung kontaktieren, die zu mir passt. Vertrauen aufbauen- Wichtig in dieser Sache ist, zu sehen und zu Verstehen, dass ein Problem aufgetaucht ist. Ein echtes dickes Problem. Wenn es sich verselbstständigt, kann das eigene Leben aus der Bahn geworfen werden.
 
Typische Beispiele sind: Quelle Wikepedia was ist Sucht?

Arbeitssucht- - mit Burnout ein Paar...,
Kaufsucht,
Pathologisches Spielen (Glücksspielsucht),
Sportsucht und
Sexsucht sowie
Medienabhängigkeiten (Internetabhängigkeit, Computerspielsucht, Fernsehabhängigkeit, Handyabhängigkeit).
Essstörungen,
Alkohlsucht,
Drogensucht,
Zigarettensucht usw.

Dazu ein Beispiel:
...von einer Tochter die süchtig war, und von einer Mutter, die süchtig wurde, als die Tochter in Folge der Sucht mit 20 Jahren plötzlich tot war. Den Inhalt habe ich aus Datenschutzgründen etwas verändert.

Wie komme ich überhaupt zu solchen Kontakten am Patienten
Ich bin Krankenschwester und arbeite auf  Normalstation. Wie kann ich wertvolle Zeit am Patienten gewinnen? Meine Erfahrung ist, dass beim Waschen die meiste Zeit direkt am Patienten verbracht wird!! Das ist Qualtitätszeit!!!

Gestern nutze ich genau das Zeitfenster 
...und erkundigte mich bei einer Patientin, die mehr als auffällige Symptome hat- Sie lebt zu Hause, war oder..... ist Raucherin und hat ganztags ihre Sauerstoffzufuhr über die Nase. Ich konnte mir kaum erklären, wie es zu so einem sehr (!)  ausgeprägten Krankheitsbild kommen konnte.

zum Fallbeispiel:
Die Patientin wirkt wach und irgendwie besorgt, gefasst und tapfer: sie hat ausgeprägteste COPD. Das ist eine Erkrankung der Lunge, wobei die Atemwege innerhalb der Lunge chronisch verengt ist. Das Fatale: gibt man in der Not viel Sauerstoff,  dann wirkt das im Gehirn paradox- der Patient atmet weniger-weil das Gehirn sagt:  Endlich bekomme ich die Information: es ist genügend Sauerstoff da und drosselt die Atemfrequenz. Panik für den Patienten- eine nie endende luftbeengende Situation, die sich nicht lösen lässt.

Die Frau hat Lebensbedrohliche Attacken-
Da gibt es keinen Trick. Für die Patientin nicht und für die Umgebung auch nicht: Mitpatienten, Pflegepersonal, Ärzte, Verwandte, Nachbarn, Pflegedienst. Zusehen und aushallten, wie jemand nach Luft ringt- das macht alle nervös.

Zu Beginn der Körperpflege hatte sie so schlimme Atemnot,
...dass ich ihr eine Pause gönnen wollte- und damit ich husch, husch meine restlichen 11 Patienten waschen konnte. Doch es kam anders, sie nötigte mich zu bleiben- damit sie mit ihrer Angst nicht alleine war.- Tja, da stand ich und konnte sie nicht waschen und hatte.... mal wieder Qualitätszeit am Patienten. Diesmal etwas unter Zeitdruck. Aber es war im Raum zu spüren, dass mein dabei Bleiben, Not lindert. Das ist auch eine große Aufgabe, neben dem Waschauftrag an diesem Vormittag. (Übrigens habe ich bis Mittags noch alle Patienten waschen können...)

Nun erfuhr ich dass sie eine Tochter hatte,

...die in frühen Jahren an Rauschgift gestorben ist. Erfahrungsgemäß ist das eines der schlimmsten Sachen, wenn einer Mutter ein Kind stirbt. Obwohl das schon so lange her ist- konnte man in den Augen der Patientin sehen, wie aktuell ihre Geschichte für sie ist. Sie erzählte, wie es war, als Ihr die Nachricht vom Tod ihrer Tochter übermittelt wurde. Ich hatte das Gefühl, es war gestern- Im Bett lag jedoch eine alte Frau.

Beim Erzählen konnte sie augenscheinlich genügend Luft bekommen
- das überrascht nicht. Die Spritze mit Kortison hatte da eine geringere Wirkung- Wer hätte es gedacht- Der Mensch ist und bleibt ein Wesen mit Zellen das auf Medikamente reagieren kann. Doch die Wirkung der Psyche kann alle medizinischen Regeln außer Kraft setzen. In diesem Fall ruckzuck auf positive Weise.

Mir fiel auf:- Zuerst hatte die Tochter eine Sucht.
Nach dem Tod der Tochter, hatte die Mutter sich auch eine Sucht "holen - müssen?" um den Schmerz zu betäuben. Damit hatte die Mutter vermutlich auch einen emotionalen Kontakt zur Tochter-nach dem Muster: ich werde so wie Du- gibt es tiefere Liebe?

Mich berührte die Situation sehr-
Das sagte ich ihr. Meine Zeit drängte und ich redetet völlig unpassende Sachen wie: "Ich gieße ihnen noch ein Wasser ein, kommen Sie an den Trinkbecher?" Und musste weiter- Als ich ging, war im Mehrbett-Zimmer der Patientin eine andere Atmosphäre- und die Patientin umgab plötzlich eine "respektvolle Würde"

Jeder kennt jemanden mit einer Sucht.
Jeder kennt das hilflose Gefühl gegenüber Personen mit einer Sucht- man ist sich etwas fremd, auch gerne fremd, um Abstand zu haben- Nur nicht zu nah dran sein am anderen- Irgendwie bin ich dann etwas größer als der andere mit Sucht und weiß es besser- was ja auch etwas naiv ist- Wer hat schon eine Ahnung, wie schwer dem anderen innen drin ist. Das habe ich aus der Geschichte oben gelernt. Von der distanzierten Haltung, zum Mitfühlen kommen- ohne Vorwurf und ohne Mitleid, was beide Seiten schwächen würde.

Überlegung
Mitleid oder Mitgefühl- was hat mehr Kraft?
  • Mitleid schwächt beide Seiten- es beinhaltet oft einen Vorwurf an den anderen und lässt ihn erst recht allein. Es zeigt auch eine Ratlosigkeit und behindert aktives Handeln. Mitleid wird oft über den andern drübergekippt. Das ist weniger hilfreich.
  • Mitgefühl  ist meist offen und kann zuhören. Das Mitgefühl  kann sich aber auch wieder verschließen um sich zu schützen. Und sich dann erneut dem anderen zur rechten Zeit zuwenden. Mitgefühl kann sich dosieren lassen. Dann kann der andere es nehmen oder nicht. Der, der Mitgefühl hat, ist ohne Vorwurf, falls der andere ablehnt- weil das Mitgefühl ein Angebot ist. Klar das hat auch was mit Liebe zu tun.
Sysnursegrüße an alle: mit und ohne Sucht, mit Mitgefühl oder Mitleid. jeder ist mal so oder mal so? Mal mehr und mal weniger. Oder?!

Mittwoch, 19. Juni 2013

Raucher sind schlau, sie nehmen sich einfach ihre Pause


Man könnte die Raucher beneiden, 
weil sie es tagtäglich schaffen, sich räumlich vom Stress der Arbeit - ua. im Helferberuf -zu trennen. Sie gehen  einfach. Sie stehen beieinander und sehen zufrieden aus. Ich staune, die Raucher haben etwas geschafft, was ich auch erreichen will, sie sorgen für sich- komme was wolle.



Beobachtungen: Das Leid der Nichtraucher im stationären pflegerischen Bereich:
  • Nichtraucher müssen weiterarbeiten, wenn die Raucher gehen
  • Nichtraucher übernehmen Arbeiten der Kollegen, die gerade nicht auf Station sind
  • Nichtraucher haben tatsächlich weniger Pausen
  • Nichtraucher können den Arbeitsplatz nicht verlassen, wenn ihre Pausenräume auf Station sind
Das hat  mich lange Zeit wütend gemacht, 
wenn die Raucher einfach plötzlich- ohne zu fragen - gehen. Selbst wenn sich Raucher ausstempeln, sind sie mal richtig weg von Stress. Ich würde auch gerne eher kommen und dafür mal richtig Pause haben- ohne dass mich jemand stört.


Wäre das eine Lösung:
Rauchfrei am Arbeitsplatz- das wärs! Ach könnten doch alle mit dem Rauchen aufhören. Stopp! Ich bin mir sicher, dann kämen andere Probleme. Daran merkt man mal wieder:





Vor kurzem hörte ich für mich völlig neue Aspekte von aufgeschlossenen Rauchern. Ich wusste gar nicht dass:
> Manche Raucher in Hetze arbeiten müssen, um dann auch ihre Raucherpausen
   nehmen zu können
> Manche Raucher kurz vor dem Rauchen ziemlich nervös werden und kaum
    noch konzentriert arbeiten können
> Manche Raucher denken oft- "Am liebsten würde ich mit dem Rauchen aufhören-
   aber es geht nicht

Beispiel: 
Eine Kollegen erzählte, dass sie nach 10 Jahren Rauchen, von einem Tag auf den anderen aufhören konnte- Respekt. Sie jammert nicht rum, dass ihr nun die Pausen fehlen- um die ich sie beneidet hatte. Sie wirkt glücklich- und wir als Nichtraucher? Versorgen uns am besten genau so gut wie Raucher- nur halt ohne Rauch. Aber was brauche ich um beim Arbeiten etwas aufzutanken zu können?

Wie kann das praktisch aussehen?
Das ist eine gute Frage. Schreibt doch bei den  Kommentaren unten auf, wie ihr Euch gut versorgt- trotz Stress! Jeder kennt sich selber am Besten und weiß was ihm gut tut. Meine Erfahrung ist, dass es sehr erstaunlich ist, was jeder so für sich entdeckt hat.

Warum ist es so schwer für sich Erholsames zu entdecken?
Na, ganz einfach- man kann die Erholung nicht erzwingen und ist abhängig, ob sie gelingt. Man kann die Erholung nicht einklagen- man kann sie nur erbitten- Diese Abhängigkeit kann ganz schön ermüden- und wütend machen- Wer dringend Erholung braucht, weil der Körper schon deutliche Signale sendet, hat kaum Kraft Erholungstricks anzuwenden- Oft kann eine Kraftlosigkeit - in Form eines Burnout- erschreckende Tatsachen mit sich bringen- nichts mehr geht. Hilfe von außen geht. Ich habe gute Erfahrungen mit systemischer Beratung gemacht. Genau das bewegt mich auch die systemische Beratung weiter zu erlernen und speziell für Helferberufe weiterzugeben.



Radikale Änderungen können helfen
  1. Die Arbeitsstunden reduzieren*. 
  2. Umziehen damit der Arbeitsweg kürzer ist*. 
  3. Mit weniger Quadratmetern Wohnfläche auskommen*. 
  4. Eine ruhigere Wohnung suchen, die in der Nähe von Grünanlagen ist. 
  5. Kein Auto besitzen*. 
  6. Sich Zeit nehmen, für Musik, Tanz, Bewegung, im Chor singen. uvm.!!
  7. Auszeiten nehmen: Mal sechs Monate etwas anderes machen- 
  8. Oder eine zusätzliche Ausbildung wählen- 
  9. Stunden reduzieren und zum Ausgleich nebenberuflich arbeiten*



Vorteile können sein: 
*Es ist mehr Geld ist zur Verfügung (!) Es ist mehr Zeit, außerhalb vom Beruf. Der eigene Horizont weitet sich. Der Fokus: "Beruf" nimmt deutlich ab. Zugegebener Maßen liegt das nicht jedem, Veränderungen aktiv anzugehen. Vielleicht ist es so: Wer immer dasselbe macht, kann leicht ausbluten. Keine Frage, es kostet Mut Neues zu machen! Wer etwas Neues braucht, muss altes lassen-können:-)

Eure Kommentare helfen anderen, Systnurse







Mittwoch, 5. Juni 2013

Unterstützung

Heute schon mal den rechten Ellenbogen gestreichelt und "danke" gesagt, für alle Unterstützung? warum immer auf was großes warten, wenn´s um Dankbarkeit geht. Warum nicht mal bei so Nebensächlichkeiten wie dem Ellenbogen anfangen. Spätestens jetzt melden sich wohl alle, die am Ellenbogen schon mal eine Blessur davon getragen hatten. Auch mit einem Ellenbogen lässt es sich nicht spaßen, wenn er weh tut.



Der Ellenbogen unterstützt uns ohne Ende. Wenn man mal achtsam mit ihm durch den Tag geht....fällt es sofort auf. Also warum nicht mal inne halten und ihn streicheln. Diese Übung lässt sich problemlos erweitern...


Freundlich grüßt: Systnurse