Mittwoch, 28. September 2011

Hilfe! Was für ein Stresstag




…heute hatte ich einen nicht so dollen Arbeitstag.

Ich bin Krankenschwester und bin Seit 4 Jahren als Springer auf  vielen verschiedenen Stationen. Ich arbeite auf Teilzeit, fünf Tage im Monat. Mir liegt dieser Springerdienst. Ich mag die Abwechslung, und den Kontakt mit den unterschiedlichsten Kollegen.

Vor kurzen hatte ich ja auf diesem Blog einen mutigen Artikel geschrieben.
Der hat mich danach bei der Arbeit höhnisch angesprungen. Stimmt das, was Du da schreibst?
Oder ist das nur ein krampfhafter Versuch für eine Lösung, die es doch nicht gibt.

Und dann hatte mir die Praxis gezeigt, wie herausfordernd die Arbeit sein kann...
50 Minuten ab Dienstbeginn hatte ich ausschließlich Widrigkeiten.
Da war mein inneres Gleichgewicht nicht mehr da. Alle meine Tricks mich zu stabilisieren gingen nicht mehr.



In meinem Kopf war nur noch:

  • heute gibt es keinen Regeldienst = eine Kollegin, die das Telefon und Organisation im und um das Stationszimmer macht-   
  • warum habe ich den Bereich mit 12 Patienten, die zudem sehr pflegebedürftig sind.
  • warum funktioniert das Blutzuckergerät nicht! dreimal funktionierte das Blutzucker- Gerät nicht- jedes mal ein neues holen und Kolleginnen suchen- finden –fragen- keine Zeit ein Gerät zu kalibrieren-
  • hilfe ich bin zu langsam ich merke, ich schaffe meine Patienten zeitlich nicht. Bald  würde das Frühstück kommen
  • ein Dokumentationszettel fehlt: ein Dokuzettel muss ich neu einheften, der fehlte- ...beide Klemmen, die ihn  festhalten brechen ab !!!!!  und viele Zettel liegen gefährlich lose in der Kurve herum.
  • Ich fühle die Gegebenheiten an diesem Vormittag sind unglaublich. Sie beherrschen mich. Ich bin machtlos.
  • Warum das auch noch: ein Patient ist so klapprig, dass er es trotz meiner Hilfe nicht schafft zur Toilette zu gehen. Der Patient bittet mich ihn zur Toilette zu begleiten. Der Nachbarpatient sagt: „ja der wird immer zur Toilette begleitet“. Also ich marschiere mit dem Patienten los, der wenig Gleichgewicht hat...bis er nicht mehr kann- ich muss Alarm klingeln, dass Kollegen mir helfen können. Ich bekomme gesagt, dass dieser Patient schon öfter so wackelig war.Hätte ich das gewusst…nun weiß ich es
  • Zeitlich bin ich nun völlig daneben. Mein Ziel zu Dienstbeginn: Bis 8 Uhr will ich alle meine Pat. gesehen haben. Es ist 7.40h und ich kenne erst 5 von 12 Patienten.
  • Quälerei/Unglücklich sein/mein Bestes geben/sehr wach und schlau alles organisieren/flink sein/meine Bedürfnisse nicht sehen oder spüren/effektiv sein/intensivstes dichtes Arbeiten
  • Die Patienten erleben mich als abwesend, weil ich so unglaublich konzentriert arbeite, bin ich für sie nicht erreichbar.
  • Solange ich noch Möglichkeiten sehe, durch Strukturen und viel, viel Krafteinsatz die Situation zu retten, gebe ich alles was ich habe.- Was bleibt mir anderes übrig?

  


Ich ändere meinen Plan –

…das war jetzt eine sehr gute Idee!!-und ich mache nur noch die Blutzucker, für die insulinpflichtigen Patienten. Ich sage, dass ich kein Essen austeilen werde, und mache weiter. Die Kollegen übernehmen das für mich.

Mir fehlt etwas kleines Gutes, das mich erreicht und mir Mut gibt. Ich bin mutlos.

Jetzt kann sich etwas ändern.

  • Und da schau an. Jetzt geht es mir besser. Vielleicht spüre ich, jetzt kann es gar nicht mehr schlimmer werden.
  • Wenn ich das erkenne, kann ich locker lassen. Ich spüre: ich komme dagegen nicht an.
  • an diesem Morgen nach 50 Minuten merke ich: ich atme, ich habe Durst, ich trinke etwas, ich versorge mich, damit ich wieder ganz da bin.
  • Eine Kollegin sagt mir, es ist die letzten Tage schon länger so arbeitsintensiv, sie hätte auch einen unangenehmen Morgen gehabt. Das tut doch gut zu hören.ich habe mich so allein gefühlt, die letzen 50 Minuten. Durch meinen Springerjob, bin ich oft nur einen Tag auf einer Station und kann nicht wissen was die letzten Tage los war.
  • Drei Tage später erwähne ich noch mal den Morgen. Ganz andere Kollegen aus den angrenzenden Schichten sagen mir auch, „ja die Nacht davor war chaotisch“, wieder andere sagen:" ja der Spätdienst war echt anstrengend."
  • Mir wird mal wieder klar, dass sich liegengebliebene Arbeiten, dann nervig auf die Folgeschicht ausgewirkt haben. Keiner konnte dem anderen etwas vorarbeiten und ihn damit entlasten.
  • Vom Alleinkämpfer bin ich gewechselt in ein Team, dem es genauso geht wie mir
  • Zudem hatte ich noch ein gutes Gespräch mit meinem Bereichsleiter. Ich versuche Gespräche zu vermeiden, die aus einem Arbeitsdruck herauskommen. Ich mag keine Jammergespräche, die schwächen eher, als dass sie helfen. Dieses Gespräch wird die Krankenhausstruktur nicht verändern können, dass weiß der Bereichsmanager und jede Schwester. Dieses Gespräch war gut.



Was kann ich beim nächsten mal anderes machen?

So ein Morgen wird wieder kommen, so oft wiederkommen- bis ich vertrauter werde mit der Hilflosigkeit, die mich mit allen Menschen verbindet. Gestern war ein anderer hilflos- heute ich. Und morgen geht es mir vielleicht wieder gut.

Die nächsten Dienste waren wieder richtig gut. Nach einem unangenehmen Tag merke ich das dann besonders. Auch das ist dann ein Geschenk und kleines Glück.

Zusammengefasst:

     Kapitulieren kann weiten
     Bin ich gegen etwas - kostet es unglaubliche Kraft
     Auch schlechte Tage haben ihren Platz
     Mit den Kollegen reden über meine Gefühle
     Meinem Chef etwas spiegeln, jedoch nicht jammern oder etwas vorwerfen
     Unterscheiden von wichtig oder dringend
     Auf gewisse Arbeiten verzichten, obwohl sie wichtig wären



Gerne könnt Ihr auch von einem guten Tag schreiben. Dieser Blog soll eine Möglichkeit sein, zum Teilen. Zum voneinander lernen, zum Seufzen...ach anderen geht es genauso- wie haben die das denn gelöst.
Ich freu mich auf Kommentare.

                                                                                                                                                                                             Bilder von Pixelio.de

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